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Maisku Myllymäki : Holly

Buchbesprechung von Ulrike Krüger-Stephan, Februar 2026

dt. Erstausgabe: 2026 - Kampa Verlag, Zürich
finn. Originalausgabe: 2021 - WSOY, Helsinki
Titel der finnischsprachigen Originalausgabe: "Holly"
aus dem Finnischen von Elina Kritzokat
»Wenn Holly den Raum betritt, muss man hinschauen – ist nicht genau das wahre Schönheit? Dass man den Blick nicht abwenden kann?« (Maisku Myllymäki / Elina Kritzokat | Holly | Seite 58)

Als Schauspielerin hat Holly ihren Zenit längst überschritten. Seit ihrem gescheiterten Regiedebüt lebt sie zurückgezogen auf einer Insel im finnischen Schärengarten. Aber so ganz scheint sie nicht ohne Publikum auszukommen, denn irgendwann kontaktiert sie die Zeitschrift 'Natur des Menschen' und berichtet über ihre Beobachtung des seltenen und in Finnland nicht heimischen Blauwangenspints (Merops persicus). Eva, die vogelbegeisterte Tochter der Chefredakteurin, erhält den Auftrag, Holly auf deren Insel zu besuchen und darüber zu schreiben. Sieben Tage soll der Aufenthalt dauern. Keine leichte Aufgabe, denn Holly und Eva sind komplett gegensätzlich. Die charismatische, exzentrische Holly, deren Erscheinung bei Eva immer wieder Vogel-Assoziationen hervorruft, stellt die unsichere, zurückhaltende Eva mühelos in den Schatten – und fordert sie damit heraus.

Die Leser(innen) erleben die Geschichte aus Evas Perspektive und können beobachten, wie sich ihre Gedankenwelt sukzessive verändert – wie die Zeit mit Holly auf der Insel eine Neuorientierung bewirkt. Als wiederkehrende Strukturelemente dienen in diesem Zusammenhang Listen aus Evas Notizbuch, welche die Ereignisse der sieben Tage von den Ereignissen der Nächte trennen. Hollys Wesen offenbart sich vor allem in ihren Äußerungen:

»“Klar, ich liebe Vögel, manche sind aufregend und geradezu geheimnisvoll, außerdem verkörpern sie grenzenlose Freiheit, nicht wahr? Die Möglichkeit, jederzeit loszufliegen und sich nach Lust und Laune irgendwo niederzulassen und gleich wieder aufzubrechen, sobald es langweilig wird.“« (Maisku Myllymäki / Elina Kritzokat | Holly | Seite 85)

Fast ist man versucht, Vergleiche zwischen der Schauspielerin auf der Insel und dem verirrten Blauwangenspint anzustellen, zumal es in der finnischen Mythologie die Vorstellung vom südlichen Ziel der Zugvögel (finn. "Lintukoto" – dt. "Vogelheimat") als Paradies gibt. Das universell und multidimensional eingesetzte Vogel-Leitmotiv ist eine Besonderheit des Buches. Ebenso zentral ist der in kurzen Vernehmungsprotokollen erzählte Kriminalfall, dessen tatsächliche Tragweite sich erst gegen Ende des Buches offenbart. Neben der sich verändernden Dynamik zwischen Holly und Eva sorgt dieser für Spannung.

Insgesamt ist Holly eine besonders erzählte Geschichte über zwischenmenschliche Beziehungen und den Mut, eigene Wege zu gehen. Obwohl gegen Ende einzelne Elemente konstruiert oder in ihrer Konsequenz (moralisch) fragwürdig wirken, sorgen die schrägen Vögel in der paradiesischen Inselatmosphäre über weite Strecken für ein kurzweiliges Lesevergnügen. Nicht nur für Vogelfreundinnen und Vogelfreunde eine empfehlenswerte Lektüre.
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